Alle Artikel in: Arbeit

Zukunft der Arbeit, New Work, happy working people, Neue Arbeitswelt

Ep. 60 Timeout – Problemlösung ohne Agenda

Die Episode 60 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«: Na ja, über Meetings scheinen sich ja eigentlich alle einig zu sein. Die sind ineffektiv, ineffizient, langweilig, frustrierend, nervtötend und eigentlich auch immer voller Theaterspielerei. Meine Lieblingsalternative sind die sogenannten »Timeouts«, die wir beispielsweise aus dem Basketball gut kennen. Die finden immer nur statt, wenn es die jeweilige Situation erfordert und nicht weil ein Standard-Agenda-Meetingplan so etwas vorsieht. Und eine Agenda gibt es auch nicht. Ein Timeout findet ad hoc statt – in dem Moment – und zwar ausschließlich erzeugt aus dem Problem, was alle gemeinsam lösen wollen. Und so gibt’s kaum Taktik, kaum soziales Theater, sondern alle sind auf die Problemlösung fokussiert. Es wird meistens vom Trainer einberufen, manchmal auch sogar von den Spielern, und sportartbedingt im Stehen – obgleich das auch für manche Companies eine gute Lösung ist. Ich steh total auf Timeouts!       Lesen Sie dazu auch meine Kolumne vom 7. August 2015: Meeting-Massaker: Wozu kein Mensch Sitzungen braucht        

Ep. 58 Das Methoden Märchen

Die Episode 58 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«: Es war einmal ein Team. Keiner wußte genau, wie es zustande gekommen war, aber plötzlich war es da. Es hatte die Aufgabe, ein wirklich anspruchsvolles Kundenproblem zu lösen. Ein wichtiger Kunde war es. Sie fingen an zu arbeiten und kamen den ersten Lösungsschritten schon näher, merkten aber irgendwann: ›wir müssen uns auch vernünftig organisieren. So einfach funktioniert das nicht.‹ Der Erste schlug vor: ›lass uns doch Magnetchips nehmen, die wir dann irgendwo hinpinnen‹ ﹣ aber es funktionierte nicht richtig. Der nächste sagte: ›vielleicht schaffen wir es irgendwie mit Karten, die wir dann weiterbewegen, je nachdem wie weit wir mit dem Fortschritt der Aufgabe sind‹ ﹣ und es funktioniert schon etwas besser. Und sie arbeiteten weiter und lösten das Kundenproblem. Irgendwann war es gelöst und sie waren sehr glücklich und sehr stolz und bekamen auch die Aufgabe, das nächste Problem in der gleichen Art und Weise zu lösen. Dann tauchte plötzlich ein Berater auf ﹣ oder war es ein Professor, so genau weiß es gar keiner mehr. Und er …

Meeting-Massaker: Wozu kein Mensch Sitzungen braucht

35 Grad im Raum, die Krawatte kneift, Sie schwitzen in Ihrem Anzug und der Kollege hört nicht auf zu quatschen. Der nächste Mitarbeiter fällt ihm ins Wort und widerspricht vehement. Alle versuchen zu einer Entscheidung zu kommen. Und sich dabei gegenseitig zu überzeugen. »Aber Herr Kollege, das Argument sticht doch gar nicht, die Sachlage ist eine ganz andere. Mein Vorschlag zur Lage ist im Grunde genommen alternativlos, sehen Sie das doch bitte endlich ein.« »Ihre Lösung haben wir bereits vor acht Jahren einmal diskutiert, da ist sie völlig zurecht mit Pauken und Trompeten durchgefallen. Im Sinne des ganzen Unternehmens sehe ich es als meine Pflicht an, uns vor dieser falschen Entscheidung zu schützen« »Aber meine Herren, wir müssen doch hier eine Lösung finden, lassen Sie uns doch die Sache noch einmal ganz nüchtern betrachten…« Sie hatten es befürchtet! Noch immer nicht Schluss! Nach einer weiteren halbstündigen Diskussion nimmt die Chefin das Zepter in die Hand. »Wenn wir zu keinem Konsens kommen, entscheide ich. Variante zwei. Punkt. Meeting beendet. Danke meine Damen und Herren. Zurück an die Arbeit.« …

New Work – Doch nur eine Schnapsidee?

Ich glaube, nein, ich bin mir sicher, ich habe mich geirrt. Sonst bin es ja ich, der Denkfehler aufdeckt, doch diesmal ist mir wohl selbst einer unterlaufen. New Work – mehr Freiräume, weniger Hierarchien, mehr Teams, mehr Selbstverantwortung, mehr Kommunikationsräume. Arbeit so zu gestalten, fand ich ja eine tolle Idee. Auf meinem Blog habe ich auch New-Work-Unternehmen vorgestellt, damit sie für andere als Beispiel und Anreiz dienen können, die Arbeit im eigenen Unternehmen anders zu gestalten. Und wenn sich die New Worker darüber aufregten, dass sich so wenige Topmanager mit dieser Option beschäftigten, dann hatte ich dafür vollstes Verständnis. Schließlich war ich auch der Meinung, dass eine attraktiver gestaltete und an die Komplexität angepasste Arbeit zu einem erfolgreicheren Unternehmen führen würden. Mittlerweile frage ich mich aber, ob es als Manager nicht sogar klug ist, sich NICHT mit New Work zu befassen. Warum? Die Hauptaufgabe von Unternehmen ist es, Überlebensfähigkeit herzustellen und zu erhalten. Wenn sich die Wirtschaft ändert, dann ändern sich von außen (Kunden, Lieferanten, Partner) die Ansprüche an die Unternehmen. Führungskräfte oder Chefs – …

Warum Sie keine Tickets kaufen müssen, um Theater dargeboten zu bekommen

Ja, Sie haben richtig gelesen, um ein Schauspiel zu beobachten, müssen Sie keine Karten kaufen. In Organisationen wird dies auch kostenlos gespielt. Geschönte Zahlen, geheuchelte Zustimmung, vertuschte Informationen und imposante Statussymbole inklusive. Leider handelt es sich dabei um eine sehr teure Form der Verschwendung, weil immer dann, wenn solch ein Theater gespielt wird, die wertschöpfende Arbeit im Unternehmen Pause hat. Das Verhalten und die Kommunikation gleichen einer Bühnenaufführung, weil ihr hauptsächlicher Zweck nur darin liegt, den formalen Strukturen der Organisation gerecht zu werden. Dafür wird ja gerne machthungrigen Managern die Schuld gegeben. So einfach ist das aber nicht. Denn ein kleiner Ausflug in die Systemtheorie zeigt, dass Organisationen nicht aus Menschen bestehen, sondern aus Kommunikation. Das mag erstmal befremdlich klingen, aber erinnern Sie sich an das legendäre WM-Halbfinalspiel 2014 zwischen Deutschland und Brasilien zurück. In den sieben ähnlichen Situationen, in denen Tore für Deutschland fielen, verhielten sich die deutschen Fans immer gleich – es wurde gejubelt! Und zwar unabhängig davon, welche Person in welcher Stadt auf welchem Stuhl saß. Dafür war keine vorherige Absprache notwendig, …

Auf der Premiere des Films "Augenhöhe" mit der Initiatorin Silke Luinstra

»Augenhöhe« – Laudatio und Film

Am vergangenen Freitag feierte in Hamburg der Film »Augenhöhe« vor rund 400 Premierengästen seine Erstaufführung. Ein Film über Vorreiter und Vordenker von New-Work. Das Projekt wurde auf einem Wevent von intrinsify.me geboren und ich hatte die große Freude, den Film inhaltlich einzuordnen und angemessen zu lobpreisen. Hier die Laudatio in gekürzter Fassung und natürlich der Film selber… »Was für ein wundervoller Abend – sicher kann sich jeder glücklich schätzen, hier zu sein und sich nicht den Rückrundenstart der Bundesliga antun zu müssen. Und, liebes Augenhöhe-Team, liebe Gäste, was für eine wunderbare Aufgabe, für Euch und Sie ein paar Worte zu sprechen. Der Abend ist schon jetzt – obwohl es außer rotem Teppich, warmer Worte und Britzelwasser noch gar nichts zu bestaunen gab – ein Spiegelbild der ganzen Augenhöhe-Initiative. Er ist ein Teil des Ergebnisses. Und er ist ein Teil der Magie, den Ihr, liebes Augenhöhe Team und Euer Zelluloid-Baby nun seit über einem Jahr bei uns allen erzeugt. Ihr habt uns gesagt, der Film wolle kein großes Fass aufmachen. Jeder von uns kann sich gleich selbst ein Bild machen, …

Kontrolle ist gut … und was ist besser?

Klingt nach asiatischer Bewegungslehre, ist es aber nicht: Wer die Nachrichten verfolgt, weiß, dass »Yi-Ko« nicht mit Tai Chi verwandt ist, sondern der ‪Burger‬-King-Betreiber ist, der jüngst in die Schlagzeilen geraten ist. Aufgrund von Hygienemängeln und schlechten Arbeitsbedingungen darf der Franchise-Nehmer zukünftig weder mit dem Firmenlogo werben noch die Produktnamen weiter verwenden. 89 Filialen musste er bereits schließen. Weshalb? In der ›Wirtschaftswoche‬‹ kommentiert Martin Ahlert, Geschäftsführer des Internationalen Centrums für Franchising und Cooperation: »In jedem System gibt es Menschen, die aus der Reihe tanzen.« Bei einer Masse an Filialen sei es für den Franchise-Partner äußerst schwer, die lokalen Gegebenheiten im Blick zu behalten. Bei aller Ernsthaftigkeit der Lage kann ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen. Die Denkweise hinter die Aussage ist nämlich diese: Der Mensch ist ein unendlicher Fehlerquell. Um die Fehler im System auf ein Minimum zu reduzieren, muss also ein Unternehmen Abläufe durchstrukturieren, Richtlinien vorgeben, Zuständigkeiten klarstellen – und das so gut es geht. Denn das ist die einzige Möglichkeit, das System idiotensicher zu machen. Das einzige Problem dabei: Ein System, das auf Idioten angelegt …

Alle für einen und ein Gehalt für alle.

»Das ist ungerecht, einfach ungerecht!« Ich sitze in der Berliner S-Bahn, es ist Rush Hour. Der Mann neben mir beschwert sich lautstark am Handy bei einem mir unbekannten Gesprächsteilnehmer. Er ist wütend, echauffiert sich. Den Krawattenknoten hat er gelockert, er fährt sich durch die Haare, das Gesicht leicht gerötet. »Jetzt habe ich drei Monate an dem Entwurf gearbeitet, Überstunden ohne Ende – und was ist der Dank? Der Müller, von dem fast keine Ideen selbst stammen, der mich ständig um Rat gefragt hat, heimst am Ende die Laudatio ein!« Er redet sich in Rage. »Und das Beste ist: er bekommt auch noch einen satten Bonus dafür.« Ich weiß genau, wie der junge Mann diesen Mittwoch und vielleicht die ganze Arbeitswoche beendet. Frustriert, enttäuscht, weil er sich ungerecht behandelt fühlt. Die Folge? Er wird voller negativer Gefühle am nächsten Morgen in die Bahn steigen – plötzlich fehlt ihm Motivation und die Identifikation mit dem Unternehmen. Aber dieses Unternehmen, das in Arbeitskräfte investiert, macht es doch völlig richtig: Es belohnt einen Mitarbeiter, der gute Leistung abliefert. Oder …