Alle Artikel mit dem Schlagwort: Berater

Ep. 61 Warum Wirkung und Gefälligkeit nicht zusammengehen

Die Episode 61 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«: Iirgendwann muss man sich mal entscheiden: Es gibt meines Erachtens, wenn man als jemand arbeitet, der Unternehmen interveniert, der irritiert, der provoziert – sei es als Berater, sei es als Coach, sei es als Trainer, oder mit meiner Profession des »Betreuten Denkens“ – nur zwei Alternativen: entweder ›Gefälligkeit‹ oder ›Wirkung‹. Etwas in der Mitte ist kaum machbar. Das heißt, entweder ich tue etwas weil ich merke, es trifft den Nerv des Kunden, das mag er, seine Zufriedenheit wächst, er bucht mich nochmal, er fordert mich heraus, er möchte mit mir gemeinsam vielleicht auch im Zusammenspiel etwas besser werden. Oder aber, ich lege es darauf an, dass wirklich Wirkung erzielt wird. Das heißt, ich mache Interventionen, die im Zweifel extrem weh tun – mir und dem Unternehmen, die aber die Chance haben, das soziale System quasi so aus der Unwucht zu bringen, dass tatsächlich Wirkung entstehen kann. Nun mache ich das seit bereits 18 Jahren und stelle fest, beides gemeinsam funktioniert fast nie. Also musste ich mich irgendwann einmal …

Der Oktober im August

Das wohl unnützeste Produkt, das der boomende Hobbygärtner-Markt hervorgebracht hat, ist der Laubsauger. Sie kennen diese Höllenmaschinen bestimmt aus der Nachbarschaft. Meistens beginnt diese akustische Umweltverschmutzung genau zur Mittagsruhe – zwischen 13 und 15 Uhr – und hält dann stundenlang an. Gern erinnere ich mich an den Laubsauger des Herstellers, der eine Zeitlang unser Klient war. Das günstigste Gerät aus seiner Produktion kostete im Handel 98 Euro und war deshalb nicht unbedingt ein Schnelldreher. Vor einiger Zeit hatte Aldi mal wieder ein tolles Aktionsangebot: ein Laubsauger der Marke Top Craft für unter 50 Euro. Wie immer, wenn ein Schnäppchen scharenweise Kunden in die Filialen des Lebensmitteldiscounters lockt, war das Ding sehr schnell ausverkauft. Sehr schnell, das heißt nach spätestens drei Stunden. Freizeitgärtner, die später kamen, hatten das Nachsehen. Was dann passierte, hatte kein Vertriebsmanager voraussehen können. Es war Mitte September, kurz vor der Herbstsaison. Bei Aldi waren die Geräte alle weg. Also ging der gemeine Hobbygärtner in den Baumarkt, um sich dort nach Alternativen umzusehen. Auch wenn er jahrelang bestens ohne Laubsauger ausgekommen war – …

Die New-Work-Revolution ist da! … Nur: Wo ist sie denn?

Karriere-Expertin Svenja Hofert lieferte mir mit ihrem Blogbeitrag »Luther der Neuzeit« neulich eine Steilvorlage. Weil sie den Bogen raus hat, polarisierte sie darin herrlich und stellte New Work ins Abseits der Theorie: »Wo sind die Unternehmen die dies suchen? Zeigen Sie mir diese, bitte! Ich finde Sie nicht.« Da konnte ich nicht an mich halten und ging mit einem eigenen Blogbeitrag steil: Nur weil sie New Work nicht sehen könne, dürfe sie doch daraus nicht schließen, dass es New Work nicht gäbe! Danach wurde die Diskussion differenziert und wirklich futterhaltig. Welche Brille gibt uns Durchblick? Svenja Hofert, und mit ihr viele weitere Menschen, vertreten die Ansicht, dass New Work ein sehr kleines Phänomen sei, nur selten zu beobachten wäre und in traditionellen Branchen wie beispielsweise Maschinen- oder Schiffbau in naher Zukunft schon mal gar nicht zu erwarten wäre. Ich bin anderer Meinung und halte das für einen Wrong Turn: Einen klassischen Beobachtungsfehler. Nun schlägt Frau Hofert hier vor, das nicht zuletzt in den USA sehr einflussreiche Modell ›Spiral Dynamics‹ heranzuziehen, um die in Frage gestellte Existenz …

Berater: Warum Tagessätze unmoralisch sind

Warum Tagessätze unmoralisch sind

Was haben Makler, Architekten, Juristen, Headhunter und Berater gemein? Antwort: ein unmoralisches Honorarmodell. Nun mag man den Moralbegriff verschieden interpretieren, was aber bleibt, ist ein fast schon absurdes Anreizsystem bei den erwähnten Berufsgruppen. Dazu musste ich mal etwas schreiben. Ich mach‘ keinen Hehl daraus: Ich mag keine Immobilienmakler. Nun habe ich nichts gegen Immobilienmakler persönlich, nur gegen ihre Profession. Der wesentliche Grund: das Honorarmodell. Natürlich ist es Ansichtssache, ob das typische Maklerhonorar zu hoch ist, wie ich persönlich meine. Noch dazu, da die Dienstleistung meist von demjenigen bezahlt werden muss, der sie gar nicht bestellt hat und sie angesichts der Informationsvielfalt im Internet stark an Bedeutung eingebüßt hat. Sei’s drum. Wirklich unmoralisch aber ist die Kopplung des Honorars an den Kauf- bzw. Mietpreis. Je teurer die Mietwohnung ist, die der Makler mir anbietet, desto höher ist sein Honorar. Oder umgekehrt: Je höher der Verkaufspreis, den ich für mein Einfamilienhaus erziele, desto höher ist das Honorar des Maklers – das wohlgemerkt dann nicht ich, sondern der Käufer zahlen muss. Die Logik erschließt sich mir nicht im …

»Spinnen die – oder sind die genial?«

Es passiert gerade etwas Interessantes. Die großen Wirtschaftsmedien des Landes klopfen an unsere Tür. Und warum? Weil wir bei V&S unser Bonussystem und die Gehaltsverhandlung abgeschafft haben. Ich habe ja schon 1-2 mal kurz darüber geschrieben. Gehalt und Urlaub nach eigenem Ermessen – aber mit sozialer Kontrolle. Das sorgt offenbar für enorme Resonanz – und für ein sehr interessantes Feedback. Alles nur ein PR-Gag, fragen sich sogar manche Leser… Ich war kürzlich zum ersten Mal im Aufnahmestudio eines Radiosenders. »1live« hatte zum Interview gebeten. Thema: Wie läuft das mit dem V&S-Gehaltssystem? Spannende Sache. Reden bin ich ja gewohnt. Aber nicht, dass ohne ein freundliches Schlusswort die Leitung gekappt wird. Ende des Gesprächs. Aber so ist das, die Leitung war bis Punkt 16.00 Uhr gebucht, und dann ist eben Schicht. Sehr interessant am Schluss: Die Techniker hatten jede Menge Fragen: Man sucht sich sein Gehalt wirklich selbst aus? Echt? Ich: »Ja.« Das nutzt doch jeder aus. Ich: »Nein.« Das ist übrigens ein Einwand, der bei jedem Interview bisher zur Sprache kam – ob mit der Financial …