Alle Artikel mit dem Schlagwort: Kommunikation

Planung ist für Kinder – über die Macht der Flutschbegriffe

Sagen Sie im nächsten Business-Meeting doch einfach mal laut und vernehmlich das Wort »Dachziegel!« – Sie werden schon sehen, was dann passiert. In Kurzfassung: Anstarren. Betretenes Schweigen. Ungläubiges Nachfragen: »Was? Wie bitte?« Tuscheln. Räuspern. Ignorieren. Verlegen mit dem Stift spielen. Auf die Metaebene gehen: »Was reden Sie da für einen Unsinn?« Oder: »Soll das eine Provokation sein?« Oder: »Sehr witzig!« Oder: »Würden Sie bitte präzisieren?« Falls Sie nicht zufällig in der Baustoff-Industrie tätig sind, wir eines jedenfalls NICHT passieren: Flüssige Kommunikation. Nein, der ganze Sprechfluss der Besprechung, die Interaktion, eben die Kommunikation gerät ins Stocken. Warum? Weil das Wort »Dachziegel« ja überhaupt nicht anschlussfähig ist. Man kann beim besten Willen die Kommunikation nicht daran fortsetzen. Das aber stört die Menschen, denn menschliche Kommunikation will vor allem eines: sich fortsetzen. Das merken Sie zum Beispiel, wenn Menschen in der geöffneten Tür stehen, um die Gäste zu verabschieden … und nach einer halben Stunde noch immer in der Tür stehen und mit den sich noch immer verabschiedenden Gästen weiterquasseln. Da flutscht die Kommunikation so dermaßen, dass sie gar nicht mehr aufhören …

Das Meer ist blöd - Wenn Moral an der falschen Stelle ansetzt

Das Meer ist blöd – Wenn Moral an der falschen Stelle ansetzt

Das Meer ist blöd! Meine Tochter ist enttäuscht. Sie hatte sich so auf das Meer in Barcelona gefreut. Aber jedes Mal, wenn sie an diesem windigen Tag ins Meer hüpft, schlagen ihr die Wellen entgegen und sie bekommt das salzige Wasser in den Mund. Kein Wunder. Sie reißt ja auch jedes Mal den Mund auf und schreit juchzend »Aaaah«. Und weil das Wasser auch auf mehrmaliges Bitten und Flehen nicht aufhört, Wellen zu schlagen, und das Salz ebenfalls nicht daran denkt, den Rückzug anzutreten, das endgültige Fazit: Meer = doof. Aber sie ist ja noch ein Kind, könnte ich einschränken. Keine Kinder sind es entgegen, die in Gesprächen, auf Podien oder in Postings im Netz Sätze fallen lassen wie: »Was uns fehlt, ist eine Fehlerkultur in unseren Unternehmen.« »Wir müssen den Mut aufbringen, mehr Innovationen zu wagen.« »Wir brauchen mehr Vertrauen im Unternehmen.« Die moralischen Forderungen hören natürlich am Zaun des Unternehmensgeländes nicht auf. Die gehen weiter: in die Politik (»Wir brauchen eine Willkommenskultur in Deutschland.«), in die Familien (»Familien müssen sich wieder stärker an christlichen Werten …

Klar können Sie Kommunikation durch Organisation und Prozesse ersetzen. Aber dann ist es halt blöd!

Kommunikation: Erst mundtot, dann mausetot

Solche Laberrunden braucht doch kein Mensch! Die sind ineffizient und rauben nur Zeit. Wir quatschen doch eh schon genug.« Das ist häufig die Reaktion, wenn ich darauf aufmerksam mache, dass lebendige Kommunikation im Unternehmen praktisch zum Erliegen gekommen ist. Die Chefs und Mitarbeiter meeten sich zwar täglich durch den Tag hindurch, hetzen von einem Jour-fixe zur nächsten Meilensteinpräsentation und sitzen mehr als die Hälfte ihrer Zeit in Besprechungen oder am Telefon. Aber die Essenzen von echter Kommunikation bleiben dennoch völlig auf der Strecke. Die (Denk-)Tradition in Unternehmen steht eher für die Gegenrichtung: Weg von echtem Dialog, hin zu einem möglichst klar geregelten, prozessierten Nebeneinander. Irgendwie verständlich, schließlich glauben Unternehmen immer noch, dafür sorgen zu müssen, dass die Zusammenarbeit reibungslos und so effizient wie möglich funktioniert. Und so wird Kommunikation zielsicher verwechselt mit Berichten, Präsentieren, Anweisen oder Standpunkte darlegen. Aber genau dieser Verzicht auf echten Dialog macht Unternehmen im Kontext der heutigen Dynamik eben nicht erfolgreich, sondern schrittweise sklerotisch, also organisationell verhärtet und im Zuge dessen bewegungsunfähig. Wenn Dialog rausgemanagt ist, wenn keine lebendige Kommunikation mehr stattfindet, dann ist auch kein Platz für wirklichkeitsnahe …

Ep. 50 Das Schnittstellen Dilemma

Die Jubiläums-Episode 50 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«:     Schnittstellen in Organisationen nerven jeden, habe ich den Eindruck. Und jeder will es irgendwie lösen und arbeitet sich daran tagtäglich ab. Manche einfach nur, indem sie den Begriff ändern: von Schnittstelle in Nahtstelle. Aber das ändert natürlich gar nichts. Das Problem liegt eher darin, dass eine Organisation ja aus Kommunikation besteht. Und sich Kommunikation einfach immer nur fortsetzen möchte. Das ist die einzige Aufgabe die sie hat und vollkommen ohne moralische Zwänge. Das heißt, wenn ich also ständig über Schnittstellen spreche oder gar einen internen Tag der offenen Tür ins Leben rufe, an dem ich möchte, dass die eine Abteilung mehr über die andere lernt, verhelfe ich dieser Art der Kommunikation sogar noch dazu, sich immer weiter fortzusetzen. Und die Gräben immer noch weiter auszuhöhlen. Ich mache es noch schlimmer. Wenn ich wirklich was gegen die Probleme tun möchte, die ich glaube durch Schnittstellen verursacht zu haben, muss ich die Schnittstellen abschaffen. Also zum Beispiel Teams bilden, wirkliche Teams die interdisziplinär ein Marktproblem, ein Kundenproblem vollständig lösen. …