Alle Artikel mit dem Schlagwort: Lean Production

Die Kunst, später anzufangen, um früher fertigzuwerden

Termintreue ist eine der größten Stärken deutscher Unternehmen? Nach außen hin sicher. Die meisten Unternehmen sind deshalb nach außen hin gegenüber dem Kunden termintreu, weil sie einen unglaublichen Aufwand betreiben. Heerscharen von Leuten sind am Werk, Ad-hoc-Teams aus internen und externen Arbeitskräften leisten zahllose Überstunden, es gibt Krisensitzungen, es gibt die unterschiedlichsten Pläne, die aufgestellt, umgeworfen, neu erstellt und wieder umgeworfen werden, es gibt besorgte Anrufe von Kunden beim Geschäftsführer, beruhigende Anrufe des Geschäftsführers beim Kunden, es gibt Ärger und Druck, Belohnungen werden versprochen für den Fall, dass doch noch alles klappt, es gibt Höchstleistung, Frust, Workarounds, Ad-hoc-Lösungen, Geistesblitze, Teamgeist, Rettungstaten, alles geht durcheinander, kurz, mit enormem Aufwand und Verschleiß, zu erheblichen Kosten und mit Müh und Not wird der Termin tatsächlich gehalten. Aber eigentlich ist das keine Termintreue. Im Kern sind nur wenige Produktionssysteme aus sich heraus in der Lage, Termintreue zu erzeugen. Was kann ein Chef aber tun, um Termintreue zu schaffen? Der Lösung auf die Spur kommen Sie, wenn Sie sich genau ansehen, wie die Manager und alle Beteiligten auf die anhaltenden …

Was ist eigentlich Lean Management? Von Kate Moss und Michael Phelps.

Eigentlich wollte ich ja nicht mehr so viel über Lean Management reden und schreiben. Aber es muss noch mal sein. Denn mir geht immer wieder die Galle hoch, wenn ein Unternehmer mir erzählt, er wolle nun auch die Lean-Idee nutzen, um die nächste Effizienzwelle in seiner Firma zu starten. Ich wechsele dann zumeist recht schnell das Thema und frage, ob er Kate Moss kenne. Das kurze Lächeln daraufhin weicht nach ein paar weiteren Sätzen schnell einem nachdenklichen Stirnrunzeln… Kennen Sie Kate Moss? Den hübschen Kleiderständer von der Insel? Ganz sicher, denn das Top-Model war geraume Zeit in den 90er-Jahren fast täglich im Rampenlicht. Von ihren Affären mit reichen und weniger hübschen Oligarchen wurde fast so viel in den Gazetten geschrieben, wie über ihre angeblichen Drogenexzesse. Berühmt wurde sie in Deutschland dann endgültig durch eine Werbespotreihe für das Modelabel Calvin Klein. Dort flüsterte Sie, knapp bekleidet und fast unhörbar: »Obsession, Obsession, Obsession« Genau Dreimal! Gemeint war ein Herrenparfüm. Es dauerte nicht lange, bis sich die Regenbogenpresse und sämtliche Satiriker des Landes auf den Clip stürzten. Der …

Ich mach‘ Schluss.

Als ich zum ersten Mal auf das große Erfolgsmodell für anhaltenden Unternehmenserfolg namens Lean Management stieß, kam es mir fast wie eine religiöse Erfahrung vor. Alles erschien so einfach. Flow, Pull, Kaizen. That’s it. Alles am Kunden ausgerichtet. Fertig. Nach nun 18 Jahren intensivster Arbeit an und mit Lean Management mach ich Schluss. Ich bin ab sofort kein »Leaner« mehr. Ich bereue nichts. Vielmehr freue ich mich, dass ich den Denkfehler entdeckt habe, dem ich selber so lange Zeit zum Opfer gefallen bin. Reduktion ist eine der größten Stärken der menschlichen Spezies. Sie hilft uns, aus Mustern schnell Entscheidungen zu treffen, ohne eine vollständige Problemanalyse vorzunehmen und alle Systemelemente in die Betrachtung einzubeziehen. Wenn zwei unserer Vorfahren im Zeitalter des Pleistozän beim Beerensammeln plötzlich einen possierlichen Säbelzahntiger auf sich zu rennen sahen, taten sie gut daran, ihrerseits rasch das Weite zu suchen. Stellen Sie sich vor, einer von den beiden hätte die Situation zunächst umfassend analysiert, also alle Randbedingungen in die Entscheidung, ober er weglaufen solle, mit einbezogen – ganzheitlich sagt man dazu heute. Wir …

Gastbeitrag: »Lean Production – gibt’s die noch?«

Oder anders gefragt, hat es sie je gegeben? Oder wurde mit diesem Begriff lediglich versucht, ein bedrohlich unverstandenes Phänomen zu bannen? Aber der Reihe nach. Ein großer Dank für diesen Gastbeitrag geht an Dr. Gerhard Wohland. Gerhard Wohland ist Physiker, »68er«, Buchautor sowie Berater und gilt als einer der führenden Spezialisten für dynamikrobuste Organisationen. Seine Klarheit in Wort und Schrift begeistert mich seit längerem und so bat ich ihn, seine Sicht auf den aktuellen Diskussions-Stand zum Lean Management für diesen Blog niederzuschreiben. Zuvor hat er mir noch ein kurzes Interview gegeben: Lars Vollmer: Gerhard, Dein Leitmotiv sind Denkwerkzeuge. Wie kamst Du als Physiker zu diesem Motiv?< Gerhard Wohland: Ob ich dabei als Physiker eine Rolle spiele, weiß ich nicht. Ich unterscheide Methode und Werkzeug. Wenn eine Methode zum Problem passt, sagt sie was zu tun ist. Wird den Anweisungen gefolgt, verschwindet das Problem. Ein Werkzeug ist problemneutral. Mit einem Hammer können Nägel eingeschlagen werden oder er dient als Türstopper. Ein Werkzeug kann erst dann zur Problemlösung beitragen wenn es mit einer Idee kombiniert wird. Ohne …

Was Pullunder mit Lean Management zu tun haben

Ein einschneidendes Erlebnis. ich hatte heute morgen einen Termin zum Wechsel von Sommer- auf Winterreifen. Ich möge mich beim Schnellservice melden, hieß es bei der Terminreservierung. Tat ich. Um acht vor acht stand ich vor dem Tor. Dort nun glaubte ich meinen Augen nicht zu trauen: Es lagen meine vier Reifen neben einer Hebebühne, jedes an seiner richtigen Stelle. Die Reifen für die nächsten 2 Fahrzeuge standen schon in einem Transporthilfsmittel an der Seite. Ein freundlicher Herr mit Pullunder (Blutsbruder …) wies mir den rechten Weg auf die Rampe, begrüßte mich und ließ mich den Auftrag unterschreiben. Während dessen war das Auto schon 20 cm angehoben. Vier Mechaniker (die »Chirurgen«) knieten vor den Radkästen und demontierten die Sommerreifen.   Ein Lehrling (die »Krankenschwester«) rollte die Reifen weg und gab kurz darauf den Mechanikern den Soll-Druck der Winterreifen vor. Die Winterreifen wurden draufgewuchtet, der Wagen runtergelassen und die Räder mit einem Drehmomentschlüssel auf jeder Fahrzeugseite festgezogen Ein kurzes ›Gute Fahrt‹ vom Pullundermann und ich saß schon wieder im Auto. Es war eine Ausfahrt ausgeschildert. Nicht etwa …