Auf welcher Seite steht ihr?

Lars Vollmer

Seid ihr auch so froh zu den Guten zu gehören? – Na, ich meine, das ist doch selbstverständlich, oder? Ihr werdet euch ja wohl kaum den Bösen zuordnen! Ich auch nicht. Niemand will das. In den 30er Jahren wollte das keiner. Heute will das keiner. Sogar in den Zeiten der Hexenverfolgungen waren die jubelnden Leute im Feuerschein der Scheiterhaufen froh, Gottes Werk verrichtet zu haben. Jeder will zu den Guten gehören. Das ist ein ungeheuer starker Wunsch.

Und das funktioniert für euch in dieser unübersichtlichen Welt, in der keineswegs sonnenklar ist, wer nun die Guten und wer die Bösen sind, am besten, indem ihr den tagesaktuell Guten das Wort redet und den anderen Boshaftigkeit, Unanständigkeit und jede Menge teuflische Attribute unterstellt. Ihr müsst euch eben entscheiden, auf welcher Seite ihr steht und es nur deutlich genug zeigen, um ja nicht mit den Bösen in Verbindung gebracht zu werden.

Die extrem ideologischen Debatten, die ich überall sehe, von den Social Media über die Talkshows bis hinunter auf die Straße, rufen bei mir keine Verwunderung mehr hervor. Ich spüre allerdings eine gewisse Form von Furcht und darum versuche ich, besser zu verstehen, wie die Spaltung der Gesellschaft abläuft. So wie bei der Nachbarin eines guten Freundes.

Abgesehen davon

Die ältere Dame bekam mit, dass ich mich bereit machte, nach den Corona-Sperren wieder erstmals nach Barcelona abzureisen. Sie nahm das zum Anlass sich bei meinem Freund über mich zu empören, und zwar darüber, dass ich „nach Spanien in den Urlaub“ führe! Dabei habe es doch die vierköpfige Familie im ersten Stock aus Gelsenkirchen viel mehr verdient in den Urlaub zu fahren!

Ähm.

Abgesehen davon, dass ich nicht in den Urlaub fuhr, sondern zu mir nach Hause, weil ich eben in Barcelona wohne, abgesehen auch davon, dass niemand die vierköpfige Familie aus Gelsenkirchen aus dem ersten Stock daran hinderte, irgendwohin in den Urlaub zu fahren, abgesehen des Weiteren davon, dass es in einer bürgerlich-freiheitlichen Gesellschaft keine Frage des moralischen Verdienstes ist, ob jemand in den Urlaub fahren darf oder nicht, abgesehen von alldem: Die Logik dahinter ist verblüffend!

Sie funktioniert so: Ich will zu den Guten gehören, also ergreife ich für irgendein Opfer der Gesellschaft Partei, für irgendeine geplagte Minderheit, für irgendjemand „Benachteiligten“. Ich stelle mich zu diesem vermeintlichen Opfer und prangere die Ungerechtigkeit an, die diesem armen Wesen widerfahren ist. Denn wo jemand Opfer ist, da muss es ja einen Täter geben. Und der ist das Böse. Logisch. Und wenn ich nun antrete, das Böse zu beschuldigen, zu beschimpfen, zu verdammen, dann trete ich im Umkehrschluss sichtbar für das Gute ein. Gehöre also zu den Guten. Bin also nicht zu verwechseln mit den Bösen! Hat das auch jeder gesehen? Puh! Das ging ja nochmal gut…

Und damit ihr es auch richtig versteht: Es genügt nach dieser Logik nicht, einfach nur nichts gegen Homosexuelle zu haben! Ihr müsst schon auch alle, die keinen Regenbogen im Social-Media-Profil tragen und nicht sichtbar für die Homo-Ehe einstehen, als Schwulenhasser verdächtigen. Es genügt nicht, Frauen und Männer im Job gleich zu behandeln und nur nach ihrer Eignung und ihren Fähigkeiten zu beurteilen! Ihr müsst schon auch alle, die gegen die Frauenquote sind als Sexisten denunzieren. Es genügt nicht, Menschen nach ihrem Charakter statt nach ihrer Hautfarbe zu beurteilen! Ihr müsst schon auch alle, die bei #BlackLivesMatter nicht mitmachen wollen und stattdessen darauf bestehen, dass alle Leben wertvoll sind, die der Weißen genauso wie die der Schwarzen und die aller anderen Hautfarben, als Rassisten beschimpfen.

Wer kein Gegner von Trump ist, kann ja nur unanständig sein, sagen die einen. Wer kein Gegner von Merkel ist, kann ja nur unanständig sein, sagen die nächsten. Und so weiter.

So kommt es, dass beispielsweise der sich selbst als Links bezeichnende, freie Medienschaffende Thilo Jung auf Twitter argumentiert, Lenin könne ja nur ein Rechter gewesen sein, denn schließlich war er ja ein Massenmörder, also böse, also kann er ja nur ein Rechter gewesen sein, weil Linke sind ja alle die Guten. Er als Linker will ja schließlich zu den Guten gehören. So wie wir alle zu den Guten gehören wollen. Ihr ja auch…

Worum es geht

So weit, so unlogisch. Das wäre ja auch zum Lachen, wenn es nur um die intellektuelle Inkonsistenz solcher Massenwahnbewegungen ginge. Aber mit der Geschichte im Rückspiegel ahne ich eben, was nach der nächsten Kurve kommen könnte, und davon wird mir ehrlich gesagt himmelangst.

Denn zu was führt diese Logik, na, besser gesagt, diese Unlogik des Guten? – Sie führt zu dem, was wir heute überall keimen und sprießen sehen können: zu gravierenden Streitigkeiten, über lokale Gewaltausbrüche, bis hin zu echten kollektiven Konflikten, genannt Krieg. Die Gesellschaft spaltet sich auf in mindestens zwei Lager, die sich gegenseitig zum Gegner machen und irgendwann in nicht allzuferner Zeit gehen sie sich an die Gurgel. Wie schon allzu oft geschehen. Die Geschichte des Krieges wird seit Jahrtausenden immer wieder neu erzählt. Und wir sind gerade wieder live und in Farbe dabei.

Im 17. Jahrhundert, als sich die Bevölkerung in Deutschland unversöhnlich in Protestanten und Katholiken aufspaltete, hetzten die Fürsten ihre Truppen dreißig Jahre lang ohne Rücksicht auf Verluste aufeinander, bis in Süddeutschland zwei Drittel der Bevölkerung tot waren. Im 18. Jahrhundert, als sich die Bevölkerung Frankreichs in Revolutionäre und Gegenrevolutionäre aufspaltete, wurde schnell die Guillotine aufgestellt und bis zu 40.000 Menschen mit oder ohne Todesurteil im Namen der „Tugend“ ermordet. Im 19. Jahrhundert, als sich die Bevölkerung in Nordamerika in Konföderierte und Yankees aufspaltete, wurde mit dem Sezessionskrieg der erste totale Krieg ausgefochten, in dem 620.000 Landsleute ums Leben gebracht wurden. Und im 20. Jahrhundert, als sich die Bevölkerung in die „Herrenrasse“ und in „unwertes Leben“ aufspaltete, fanden Millionen Juden, Kommunisten, Pfarrer, Systemkritiker, Sinti, Roma, Homosexuelle, Zeugen Jehovas und geistig Behinderte in den Vernichtungslagern der Nationalsozialisten ihren qualvollen Tod.

Mit anderen Worten: Sich selbst einer Seite („den Guten“) zuzuordnen und die andere Seite unversöhnlich als „die Bösen“ zu denunzieren, ist eine gefährliche Sache. Wenn zu viele da mitmachen, gibt es Tote. Und wenn die Geschichte unglücklich verläuft, gibt es sehr viele Tote, und zwar im Namen des Guten.

Letztlich sind all diese Gut-und-Böse-Spaltereien Glaubenskriege. BlackLivesMatter, die Klimabewegung und dergleichen, das sind religiöse Bewegungen, machen wir uns da nichts vor.

Das erkennt ihr ganz einfach, indem ihr nicht auf die Worte, sondern auf die Fakten und auf die Handlungen der Aktivisten schaut. Bei der Klimabewegung geht es nicht ums Klima, sonst würden die Aktivisten nicht ohne mit der Wimper zu zucken um die ganze Welt jetten. Beim heutigen Feminismus geht es nicht um Gleichberechtigung der Geschlechter, sonst würden nicht mit Quoten gleich beide Geschlechter diskriminiert werden. Bei BlackLivesMatter geht es nicht um Rassismus, sonst würden auf den Demos nicht Weiße erniedrigt werden. Es geht nie um das, was die Bewegungen vorgeben. Wie bei den Glaubenskriegen vor Jahrhunderten, als es nicht um Sünden, das tugendhafte Leben und Nächstenliebe ging. Sondern es geht einfach immer nur gegen „die Anderen“.

Küss mir die Füße!

Warum aber gerade jetzt? Ich war ja, das muss ich zugeben, so naiv zu glauben, dass wir heute zivilisatorisch ein Schrittchen weiter als 1789 sind. Aber derzeit grassiert der unversöhnliche Hass und die Spaltung quer durch die Bevölkerung wieder. Woran liegt das?

Meine Vermutung ist, dass religiöse und quasi-religiöse Bewegungen vor allem in Umbruchzeiten, in Zeiten kollektiver Verunsicherung auftauchen. So wie Krankheitserreger einen Organismus befallen, der geschwächt ist und dessen Immunabwehr beeinträchtigt ist.

Wir steuerten ja gerade ohnehin auf eine große Wirtschaftskrise zu. Und dann kam Corona. Und obendrauf kamen die Corona-Maßnahmen der Regierungen in Bund und Ländern, die in vielen Branchen das Wirtschaftsleben stark beeinträchtigten, wenn nicht gar indirekt verboten. In einer solchen Phase ist für viele Menschen allzu Vieles unsicher: Werde ich krank? Werden meine Angehörigen krank? Muss ich in Kurzarbeit? Wie hoch wird mein Gehalt sein? Wird es reichen? Behalte ich meinen Job? Überlebt meine Firma? Wie muss ich mich jetzt verhalten? Was darf ich noch? Welche sozialen Kontakte gehen noch und wenn ja, wie? Kommt eine zweite Welle? Wann kehrt das normale Leben wieder zurück? Kehrt es überhaupt zurück?

In einer solchen Phase wird die Sehnsucht nach Stabilität wohl stärker. Viele wollen sich irgendwo festhalten. Sie wollen geborgen sein. Sie wollen versorgt sein, wollen, dass sich jemand um sie kümmert. Sie suchen den Schutz der Gruppe. Das Bedürfnis nach Zugehörigkeit wird dann noch stärker als sonst.

Und wie wird Zugehörigkeit ausgedrückt? – Mit Symbolen und mit symbolischen Aktionen. Die Corona-App: Ihr könnt gerne darüber streiten, ob sie mehr nützt oder mehr schadet – in jedem Fall ist sie auch ein starkes Symbol der Zugehörigkeit. Wer sie ablehnt, gehört zu den anderen. Auch die Sprache ist heute voller Symbolik und voller Kampfbegriffe, auf allen Seiten: Rechte, Rassisten, Gutmenschen, Antifaschisten, Faschisten, Antidemokraten, Nazis, Umweltsau, alter weißer Mann, Lügenpresse, FakeNews, Europa-Gegner, Neoliberaler, Kapitalist, Lefties, Boomer, linksgrünversifft, blaubraun, Kommunist, Covidiot, …

BLM- und All-Cops-Are-Bastards-Zeichen auf Wände sprühen, ein Regenbogenabzeichen tragen, freitags auf Marktplätzen gemeinsam hüpfen, Häuser besetzen, Kohletagebauwerke stürmen, vor Schwarzen niederknien und so weiter, das sind alles symbolhafte Zeichen und Handlungen, die Zugehörigkeit demonstrieren.

Dazu gehört auch das Steinewerfen, Statuen umstürzen, Wahlstände und Parteigeschäftsstellen angreifen, Autos anzünden, Polizisten angreifen, Schaufenster einschlagen … und sehr schnell und übergangslos wird aus symbolischen Akten eine Machtdemonstration. Die handelt man sich dann ein. Und plötzlich hat man für die gute Sache eine Straftat begangen, so wie Ende der Sechziger die Rote Armee Fraktion, die die steile Treppe von der Symbolik zum Mord hinabschlitterte.

All diese Symbolik dient nicht nur der Zugehörigkeitsvergewisserung, sondern immer auch zur Abgrenzung: Wenn du nicht für uns bist, bist du gegen uns. Wenn du nicht zur Klimademo gehst, bis du „gegen die Umwelt“. Du willst nicht vor uns niederknien? Dann bist du ein dreckiger Rassist! In den USA ging das so weit, dass junge weiße Mädchen genötigt wurden, muskelbepackten Schwarzen die Füße zu küssen. Die taten das, denn sie wollten ja keine Rassisten sein.

Wer aktiv mitläuft, genießt die Zugehörigkeit und die Sicherheit der guten Gruppe. Wer nicht, ist ein böser Gegner. Um diesen Graben zu markieren und zu vertiefen, wird reflexhaft Solidarität eingefordert. Pflichtsolidarität. Je suis Hebdo! – Wie, du zeigst keine Solidarität, du bist nicht Hebdo? Dann bist du ein Schwein! Und beileibe ist das kein Phänomen niedriger Bildungsschichten, Ihr könnt dieselben Mechanismen auch in den Feuilletons der Hochgebildeten entdecken. Intelligenz und Bildung schützen vor dem Gruppendruck keineswegs. Offensichtlich.

Alle sozialen Gruppierungen und Organisationen quer durch die Gesellschaft stehen ebenso unter dem sozialem Druck sich zu bekennen: Na, Eintracht Frankfurt, wie hältst du’s mit dem Rassismus? – Eintracht Frankfurt sagt: Black Lives Matter. Damit das klar ist: Die gehören somit zu den Guten.

Wie? Die Säfteabfüller von Truefruits wollen nicht mitmachen? Dann sind das Rassisten! Die Supermärkte sollen sie auslisten! Die Deutsche Bahn macht dafür mit und signalisiert Multikulturalismus in ihrer Anzeigenkampagne. Wie? Der Tübinger Oberbürgermeister Palmer kritisiert die Bahn dafür? Dann ist das ein Rassist! Schmeißt ihn aus der Partei!

Die Jakobiner sind wieder unterwegs – und mit ihnen kommt der Vernichtungswunsch des Gegners: Die Rechten sind böse. Nazis! Sie müssen verschwinden, also lasst sie uns vernichten. Lasst sie nirgends mehr Räume mieten. Greift sie an, wo ihr sie trefft. Verbietet ihre Partei. Macht sie weg. Irgendwie. Damit wieder Ruhe ist. Und andersherum: Die Linken sind Kommunisten! Sie haben im 20. Jahrhundert unter Mao, Stalin und Pol Pot 100 Millionen Menschen umgebracht. Sie müssen verschwinden, bevor sie wieder Gulags errichten. Also lasst sie uns vernichten. Greift sie an. Die SED muss endlich verboten werden, auch wenn sie jetzt „Linke“ heißt. Und überhaupt, auch die Grünen, die SPD und immer größer werdende Teile der CDU. Macht sie weg. Irgendwie. Damit wieder Ruhe ist.

Tja, das scheinen Menschen auch in angeblich hochentwickelten Gesellschaften so zu tun.

Selbstverständlich kommt das eher einer Rückabwicklung der Aufklärung gleich. Wir fallen in eine kulturelle Regression von 300 Jahren zurück. Plötzlich kommt es nicht mehr darauf an, was einer sagt, sondern wer es sagt. Das Identitäre siegt über die Vernunft, und das ist zutiefst antiaufklärerisch. Gesellschaftlicher Fortschritt verpufft und wir stehen wieder vor der Rückkehr in die Barbarei.

So, und die Frage ist dann: Wie verhaltet ihr euch in dieser Situation?

Muss Merkel weg?

Ich stell mir diese Frage auch: Wie soll ich mich dazu verhalten? Ich bin mir nämlich keinesfalls sicher.

Soll ich Schweigen und einfach nicht mitmachen? Also wie ein Vierjähriger, der die Augen zumacht, damit ihn keiner sieht? Aber auch wenn ich das Geschehen ignoriere, bin ich weiter ein Teil der Gesellschaft und weiter inmitten des meist noch nur verbalen Konflikts. Mein Schweigen hindert niemanden daran, mich anzugreifen.

Wenn ich nicht mitmachen will und mich weigere, mich auf eine der Seiten zu stellen, wird mir früher oder später von irgendeinem Jakobiner vorgeworfen, einer von den Bösen zu sein. Das ist mir übrigens schon passiert und könnte mir womöglich auch mit diesem Text passieren (achtet mal auf die Kommentare dazu, hier oder in den sozialen Netzen)

Stoppen können wir das ganze Schauspiel meiner Ansicht nach bereits nicht mehr. Mir fällt jedenfalls keine geeignete Intervention ein, die unsere Gesellschaft daran hindern könnte, ihre eigene Spaltung fortzusetzen. Irgend eine bestimmte Partei wählen? Eine Partei gründen? Und dann? Nein, das hält die Spaltung nicht auf.

Vielleicht muss die Gesellschaft erst einen gewissen Kulminationspunkt erreichen, eine Entladung erleben, bevor danach eine Befriedung stattfinden kann. Seit tausenden von Jahren erlebt die Menschheit das jedenfalls so. Und warum sollte sie gerade jetzt damit aufhören? Es gibt keinen Grund, warum das plausibel sein sollte.

Vielleicht kommt eine bürgerliche Revolution und die Bundesrepublik wird nochmal auf null gestellt und kann einen zweiten Anlauf wagen. Vielleicht aber auch nicht, vielleicht kommt eine sozialistische Volksrepublik Deutschland. Beide Seiten jedenfalls können nicht gleichzeitig ihren Willen erhalten. Jedenfalls nicht im gleichen Staat. Darum glaube ich, dass der Konflikt in eine heiße Phase der Eskalation treten wird. Unaufhaltsam, wie das bei Krieg eben so ist.

Vielleicht läuft es aber auch ganz anders. Vielleicht ebbt die konfrontative Stimmung wieder ab und verläuft im Sand der Geschichte. Da die Gesellschaft ein extrem komplexes System ist, kann man eben prinzipiell nicht voraussagen, was passieren wird. Fest steht jedenfalls, dass man von außen die Luft nicht ablassen kann. Ihr und ich, wir können das alles nur beobachten.

Was ich beobachte, und vielleicht habt ihr wenigstens davon etwas: Es liegt überhaupt nicht an den Personen. Nicht Trump ist schuld. Auch Merkel ist nicht schuld. Kohl hat es nicht verbockt. Johnson ist nicht verantwortlich. Putin ist es nicht. Es liegt auch nicht an Habeck, Scholz, Laschet oder von der Leyen. Menschen stilisieren gerne Menschen zu Heiligen oder zu Schurken, um sich Phänomene zu erklären. Aber das ist nur eine intellektuelle Schlamperei und führt auch zu nichts. Was sich spaltet, ist die Gesellschaft, ganz unabhängig davon, wer gerade auf welchem Posten sitzt. Die Akteure sind austauschbar. Das Austauschen der Spieler ändert das Spiel nicht.

Kein dritter Weg

Über die Nachbarin meines Kumpels habe ich jedenfalls trotz allem herzlich gelacht. Das war einfach zu absurd. Aber je mehr ich darüber nachdenke, desto weniger ist mir zum Lachen zumute.

Manchmal wünsche ich mir die guten alten Stammtischgespräche zurück: Da wurde auch gehetzt und geschimpft, aber am nächsten Abend hat man sich wieder zusammengesetzt, um gemeinsam weiterzuschimpfen. – Heute läuft das ja eher nach dem Muster ab, dass der Stammtisch für immer zerschlagen wird, alle Stammtischbrüder für immer geächtet werden und gleich noch die Kneipe mit zugehörigem Haus abgefackelt wird.

Ernsthaft: Ich hoffe gerade einfach nur, dass das ganze Drama nicht allzu schlimm wird. Augen zu und durch. Nur: Ich habe eben nicht viel Hoffnung. Und das Zuschauen bereitet mir seelische Schmerzen.

Denen unter euch, die mir Überdramatisieren vorwerfen: Ich kann es euch nicht verübeln. Denn ich kann mir gut vorstellen, dass es noch viele Leute gibt, für die alles in Ordnung scheint. Fair enough. Gut für euch, dass ihr zu den Guten gehört!

Wenn ihr aber so wie ich die Spaltung der Gesellschaft mit Sorge beobachtet und eine Lösung wisst, eine Intervention, die die innere Dynamik eines Krieges brechen kann, dann macht mal einen Vorschlag!


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  • Elli
    3. Juli 2020 at 10:19

    Hallo Herr Vollmer, wie immer auf den Punkt gebracht. Sie sprechen aus, was ich denke – eher fühle – doch eben nicht so verbal ausdrücken kann. Ihr Buch „Gebt Eure Stimme nicht ab“ ist für mich eines der Besten in dieser verrückten Zeit: Offen. Gut aufgebaut. Mit Struktur. Und …. .vor allem für JEDEN verständlich. Bitte machen Sie weiter ….. behalten Sie auch Ihre Ratlosigkeit bei ….. das hilft mir sehr, mich nicht so allein zu fühlen in diesen Zeiten. Danke.

  • Alexis
    3. Juli 2020 at 10:50

    Hallo Herr Vollmer, der Beitrag ist inhaltlich so fulminant gut (und natürlich auch geschrieben), dass ich kurz nach dem Lesen noch keinen rationalen Kommentar abgeben kann: Ich bin berührt. Mehr geht nicht!

  • Siri
    3. Juli 2020 at 11:28

    Tja, das sind wirklich düstere Aussichten. Ein bisschen deprimierend, wenn ich auch finde, da ist viel dran. Mein Vater hat die politische Skala rechts-mitte-links immer als Kreis betrachtet und nicht als gerade Linie. So stießen für ihn ganz rechts und ganz link hinten zusammen und bildeten den Gegenpol zur liberalen Mitte. Mitte und Extreme lagen quasi in einem Kreis einander gegenüber. Als junger Mensch fand ich das großen Quatsch und jetzt denke ich manchmal, dass es so abwegig nicht war. Was kann man dagegen machen? Mir fällt nur Jacksons Song „Man in the Mirror“ ein. Ein Song der heute dann ja auch „Man, Women, Own Definition in the Mirror“ heißen müsste. Aber die Botschaft kann für mich noch gelten: ich kann nur bei mir selbst anfangen und versuchen für mich selbst nicht in Extreme zu begeben oder mich mental spalten zu lassen, so daß ich in „die da“ und „wir hier“ verfalle. Eine Freundin von mir ist diesbezüglich mein Vorbild, sie ist einfach immer zu Gesprächen bereit egal mit welchen Menschen. Selbst wenn diese sehr eindeutige und aus meiner Sicht extreme Auffassungen haben. Sie bleibt immer von Mensch zu Mensch ohne sich dabei meinungsmäßig zu verbiegen. Ich werde versuchen, es ihr gleich zu tun.

  • Jürnn Schmidt
    3. Juli 2020 at 12:21

    Sehr geehrter Herr Professor Vollmer,

    ein weiteres Mal begeistern Sie mich mit Ihrer scharfsinnigen Analyse und überzeugenden Wortwahl! Ich stimme Ihnen uneingeschränkt zu und versuche das meinige, mich weder bei den Guten noch bei den Bösen zu verorten, trage in Diskussionen ( die leider viel zu selten wirklich engagiert und streitbar verlaufen ) leidenschaftlich Fakten vor und ernte beeindruckend ( oder beängstigend ) oft genau das Gegenteil: ich werde zugeordnet – mal zu den Guten und auch schon mal zu den Bösen.. Ich werde Ihren Artikeln munter weiterreichen, in der Hoffnung er inspiriert auch meinen Freundeskreis, intensiver zuzuhören, nachzudenken und mit weniger Fahrlässigkeit in gut und böse zu sortieren…
    in diesem Sinne,
    Ihnen alles Gute in Barcelona oder wo immer Sie sich so produktiv herumtreiben,
    Jürn Schmidt

  • Nicolas Korte
    3. Juli 2020 at 15:53

    Hallo Lars,

    VOLLTREFFER ! Am besten gefällt mir der Teil über Symbolik ! Da wird etwas zum Symbol erklärt, man stellt sich auf den Feldherrenhügel der eigenen moralischen Überlegenheit und schon ist jede rationale Diskussion unmöglich und wenn man sich dem Symbol nicht anschließt, ist man der Feind. Wenn es nicht so traurig wäre, müßte man glatt drüber schmunzeln – wie über die Nachbarin eben.
    Bitte weiter so
    Nicolas Korte

  • Dr. Jan
    3. Juli 2020 at 17:34

    Lieber Herr Vollmer,
    Lassen Sie mich einen Erklärungsansatz versuchen. Kennen Sie die Antreiber aus der Transaktionsanalyse? Da gibt es unter anderem den „please me“. Weil ich sooo nett bin, müssen mich doch alle lieb haben. Menschen mit dem Treiber sind nervig. Noch schlimmer die try hard Typen. Das sind Menschen, die sich immer für die (vermeintlich) Schwächeren einsetzen. Völlig selbstlos. Und weil die sich für ganz viele Projekte einsetzen, kommen sie nie ans Ziel. Wäre auch schlimm, sie würden ankommen. Was dann noch machen?
    Keine Angst, es gibt noch andere Treiber. Doch die spielen in diesem Zusammenhang weniger eine Rolle.

  • Martin Bartonitz
    3. Juli 2020 at 18:43

    Lieber Lars,

    das ist wieder so ein denkanstiftender Artikel wie ich ihn gerne hätte selber schreiben können wollen. Das, was Du beobachtest, sehe auch ich seit etwa zwei Jahren mit exponentieller Geschwindigkeitsaufnahme auf uns zurauschen. Ich bin auf Facebook relativ intensiv unterwegs und kann dort sehr gut beobachten, die sich die Gräben zwischen den diversen ideoligischen Lagern immer mehr vertiefen. Freundschaften werden zunehmend gekündigt, weil die Meinung des Anderen nicht mehr toleriert werden mag.
    Ja, ich sehe auch eher eine Devolution als eine Evolution was das Aufgeklärtsein betrifft. Macht uns das Smartphone immer dümmer. Da sitzen die Menschen zusammen am Strand während des Sonnenuntergangs und haben nichts besseres zu tun, als auf das kleine Ding zu starren?
    Womöglich braucht es doch immer wieder ein reindigendes Gewitter, das aus der Dekadenz rausholt?
    Na ja, vielleicht hilft es ja doch, wie auf den Georgia Guidestones uns seit den 1980er Jahren in großen Lettern empfohlen wird, uns auf 500 Millionen zu begrenzen …

    Herzliche Grüße nach Barcelona, wo wir gerne vor 2 Woche für eine paar Tage auch hingewollt hätten, aber noch nicht durften …
    Martin

  • Michael Klabuhn
    3. Juli 2020 at 19:32

    Hallo Herr Vollmer,
    Ihrem Artikel kann ich nur zustimmen. Selber Denken würde helfen, aber wer will das schon, wenn einem heute alles in die Birne schön weichgespült wird. Die allabendlichen Talkshows und Medien lassen eine Sachlichkeit ja auch vermissen. Es gilt wieder mal: „Herr lass Hirn vom Himmel fallen und die Richtigen treffen“.

  • Thomas E.
    3. Juli 2020 at 21:52

    Hallo Herr Vollmer, sie sprechen oder schreiben mir aus der Seele. Vielleicht betrachtet man es von hier (Sant Pere Pescador 140km von BCN) auch etwas mit Abstand oder Offenheit. Ich wünschte mehr Menschen würden über den Tellerrand schauen, doch auch ich habe schon fast keine Hoffnung mehr. Danke!

  • Alexander
    3. Juli 2020 at 22:40

    Lieber Herr Vollmer,
    Danke für den sehr guten und offenherzigen Artikel.
    Seit Wochen beschäftigt mich das Thema Spaltung auch. Dazu kam mir neulich was ganz schlichtes, aber für mich persönlich-und nur dort kann ich beginnen-, sehr sinniges und praktisches in den Sinn: „Wenn Du die Axt, die Dir zur Spaltung gereicht wird, nicht annimmst bleibt sie stumpf.“ In diesem Sinne übe ich mich in Klarheit (auch in klarer Meinungsäußerung gegenüber anderen) ohne andere herabzusetzen und den Keil nicht tiefer zu treiben.

    • Astrid
      3. Juli 2020 at 23:57

      Lieber Herr Vollmer,
      ich schätze Ihre inspirierenden Artikel immer wieder. Zudem teile ich Ihre Ansichten. Ich wünschte mir auch mehr kritisches Denken, Selbstverantwortung und konsequentes Handeln in unserer Gesellschaft. Ich gebe die Hoffnung nicht auf und leiste meinen individuellen Beitrag zur Aufklärung der Realitäten, wo ich kann.

  • Peter Werzer
    4. Juli 2020 at 06:14

    Lieber Lars Vollmer, lese ihre Artikel immer gerne. Gratulation zu diesem. Ihrem Punkt „es liegt nicht an den Personen“ stimme ich nicht zu. Ein Staatsmann, Manager oder Leader, durch Macht institutionalisiert, ist immer ein Vorbild. Was er vorlebt darf durch andere nachgemacht werden.
    Und ja, die Spalt-/ Verteufelungstendenzen sind deutlich. Aber ebenso das auseinander Gleiten einer Gesellschaft, in der die Reichen immer reicher, die Armen immer ärmer werden und die stabilisierende Mittelschicht schwindet. Wenn wir nicht möglichst alle mitnehmen, egal wie unterschiedlich wir sein mögen, wird es niemandem gut gehen.

  • Karsten
    4. Juli 2020 at 14:29

    Hallo Lars,

    einer der besten Texte, die ich in letzter Zeit gelesen habe! Du artikulierst auf den Punkt genau das, was auch ich empfinde! Nur leider fühle auch ich mich ohnmächtig im Hinblick auf Lösungsansätze, die in der gesamten Gesellschaft funktionieren könnten.
    Meines Erachtens wichtige, grundlegende Bausteine wären aber: Toleranz gegenüber Anderen und anderen Meinungen, Unaufgeregtheit, kritische (Selbst-)reflexion und die Abkehr vom blinden Nachlaufen hinter Idolen und Meinungsmachern.
    Viele Grüße, Karsten

  • Lucky Loup
    5. Juli 2020 at 00:28

    Welcher Wähler „richtig“ gewählt hat und sich sodann den Mächtigen und Regierenden im Lande zugehörig fühlen darf, der gehört zu den Gewinnern, und das stärkt das Ego und Selbstvertrauen. Wenn nun aber die Mächtigen und Regierenden urplötzlich Dinge tun, die – so berechtigt alles auch immer erscheinen mag – MASSIV schaden — dann fühlen die Regierungstreuen sich wie geprügelte Hunde. Und dürfen es nicht einmal sagen, auch vor sich selbst nicht — denn dann müßten sie sich eingestehen, von denen, denen sie vertraut haben, verraten worden zu sein.

    Und so wird das unterdrückte innere Chaos immer größer, und die Sicherheit und Selbstvertrauen bietende große Herde wird zur letzten Zuflucht ==> Corona ist der sicherste Weg, ein ganzes Volk verrückt zu machen. Dies das größte und heimtückischste Verbrechen überhaupt.

  • Kristina
    5. Juli 2020 at 13:03

    Herr Vollmer, Sie sprechen mir vollkommen aus der Seele! Ich werde Ihren Beitrag reichlich teilen, denn er ist wichtig! Aufrichtigen Dank für Ihre klaren Worte. Die wenigsten haben den Mut dazu.

  • JCG
    6. Juli 2020 at 14:09

    Hervorragend auf den Punkt gebracht. Von der ersten bis zur letzten Zeile.

  • JULE
    7. Juli 2020 at 09:39

    Sehr geehrter Herr Vollmer,
    zuerst dachte ich ja: toll, das fängt gut an… spricht mir aus der Seele… ja, der Vollmer seziert das Übel an der Wurzel.. . Am Ende Ihres Artikels muss ich leider erkennen, dass Sie derselben Lagerlogik zum Opfer fallen, wie diejenigen, die Sie kritisieren und dabei bedienen Sie sich der subtilen aber auch unredlichen Methode des Strohmannargumentes. Anekdotisches erheben Sie dabei zum Allgemeinen und wer will das schon widerlegen, wenn man sich eh angesprochen fühlt.
    Beispiel: „Bei der Klimabewegung geht es nicht ums Klima, sonst würden die Aktivisten nicht ohne mit der Wimper zu zucken um die ganze Welt jetten.“ Aha, worum geht es denn dann? Das ist so peinlich falsch, dass ich gar nicht weiß, wo man anfangen könnte. Aber vielleicht ist es am besten, sich den Satz immer wieder langsam vorzubeten bis der Groschen fällt.
    Oder „Bei BlackLivesMatter geht es nicht um Rassismus, sonst würden auf den Demos nicht Weiße erniedrigt werden“.
    Hier wird der Groschen wohl nicht mehr fallen, denn Hopfen und Malz sind verloren.

    Ihr Fazit: „Letztlich sind all diese Gut-und-Böse-Spaltereien Glaubenskriege. BlackLivesMatter, die Klimabewegung und dergleichen, das sind religiöse Bewegungen, machen wir uns da nichts vor.“
    Das kann man vielleicht so stehen lassen, aber in dem von Ihnen einige Zeilen zuvor gewählten Kontext der Scheiterhaufen von Jakobinern, PolPot und Nazis, ist das ungeheuerlicher Unsinn.
    Und vor diesem Hintergrund verblasst Ihre anthropologische Psychoanalyse zum Bösen im Menschen schneller als Sie schreiben können. Schade

    • Sascha
      8. Juli 2020 at 14:49

      Wie Sie sehr schön beweisen…er hat Recht, der Herr Vollmer..;o)

  • M. Artner
    7. Juli 2020 at 15:12

    Über weite Strecken teile ich Ihre Einschätzung. BLM und Klimabewegung ‚religiöse Bewegungen‘?Hm. Ich bin mir nicht sicher, lieber Herr Vollmer, wer sich bzw. uns hier gerade etwas – vielleicht auch unbeabsichtigt – vormacht. Selbst, wenn Sie nur die jeweilige Bewegung an sich meinen, haben die Wunder Jesu, alles was Parvatis Kinder zusammenbrachten, bis hin zu scientologischen Verhörmethoden nebst der jeweiligen Anhänger und Verfechter wohl ein weit weniger wissenschaftlich und/oder statistisch fundiertes Fundament, als die beiden eingangs genannten, jüngeren Phänomene. Wenn Sie mich fragen. Was Sie nicht müssen.

    • Sascha
      8. Juli 2020 at 14:55

      Oha…

  • Sascha
    8. Juli 2020 at 14:46

    Danke, Sie sprechen mir zutiefst aus der Seele und mit den trefflichsten Worten. Leider glaube ich, es gibt keine Lösung, das ist scheinbar ein zutiefst verwurzeltes menschliches Verhalten. Im Allgemeinen ist man eher allein mit Ansichten wie dieser und völlig fehlverstanden, umso mehr: Danke….
    Ein Zitat, das mich oft bewegt: „Demokratie ist, wenn unsere Meinungen als Freunde auseinandergehen“ von Ernst Jandl

  • Sigrun
    13. Juli 2020 at 11:50

    Von Herzen Danke, Lars, für diesen Artikel. Ich weiß nicht, ob ich zu den Guten oder den Bösen gehöre. Zumal dies ja Ansichtssache ist. Und Etiketten werden mir zunehmend egal. Aber ich weiß mehr denn je, wie enorm wichtig mir Selbstbestimmung, Selbstverantwortung und eigenständiges Denken sind. Was Regierung und Medien uns diesbezüglich derzeit abverlangen, kommt einer Bankrotterklärung gegenüber diesen Werten gleich. Ja, es wird noch so Einiges auf uns alle zukommen. Dennoch bin ich guten Mutes und trage die Gewissheit in mir, dass dies keine x-te Wiederholungsschleife in der Geschichte werden wird. Es fühlt sich eher so an, als wenn wir mittendrin im Geburtskanal einer neuen Gesellschaftsform stecken würden. Wie auch immer diese dann aussehen wird.
    Abschließend noch ein kleiner Tipp: Fairtalk, ein neues Format, welches auf Youtube zu finden ist, geht neue, authentische Talkshow-Wege. Alles Liebe, Sigrun

  • Simone Schweitzer
    16. Juli 2020 at 08:23

    Lieber Lars, ein großartiger Beitrag, vielen Dank. Neulich laß ich zufällig auf LinkedIn einen Beitrag von jemandem, der eigentlich nur businessmäßig dort unterwegs ist. Er postete empört ein Foto des Hauses seines Nachbarns, aus dessen Fenster eine Fahne mit eindeutiger politischer Gesinnung hing. Es hagelte Beifall und beipflichtende Empörung in Form von Kommentaren. Da fragte ich mich, wie schwer kann es sein zu merken, dass ein solcher Beitrag nichts anderes ist als Hetze also dass, was man dem Nachbarn vermeintlich vorwirft. Und wozu? Genau -„schaut her, welch feiner Kerl ich bin. Mit mir nicht.“ Es ist wohl auch ein Ausdruck unseres unfassbaren Wohlstands, dass jedes Thema genommen wird, um episch darüber Meinungen zu bilden und zu verbreiten. Sogar wenn es um Schminke und Klamotten geht. Lass uns überlegen, wie wir einen Beitrag dazu leisten können, dass Schwarz-weiß Denke aufgeweicht wird. Ich glaube, mehr, als vorleben geht nicht.

  • Ute Juschkus
    3. August 2020 at 14:37

    Lieber Herr Vollmer, ich bin ganz Ihrer Meinung und sehr besorgt. Ich kann das ganze Geschimpfe und Beschimpfe, dass meist frei von jeglicher Problemlösungsidee ist, nur sehr schwer ertragen.
    Gibt es Lösungen? Es gibt Menschen, die versuchen mehr Liebe in die Welt zu tragen. Ich mag die Idee, aber sie hat auch ein bisschen was religöses und in der Geschichte bisher nur wenig Erfolg gehabt.

  • DeCa
    6. August 2020 at 14:09

    Ich denke es wird alles wieder abflachen, der Großteil der Bevölkerung ist dann mit wichtigeren Dingen beschäftigt, wie Bundesligastart, neues iphone zu Weihnachten, neue Staffeln der Lieblingsserie, usw.

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