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Brief an die BILD

Der erste Teil von  „Einigkeit macht schwach!“ hat gleichermaßen nachdenkliche wie – sagen wir es diplomatisch: engagierte Rückmeldungen erzeugt. Wer hätte auch ahnen können, dass Donald Trump mit der Ab- und wieder Zusage des Nordkorea-Gipfels und der Aufkündigung des G7-Abkommens gleich wieder so viel Anlass zur Resonanzbildung gibt. Es ist halt *piep* –  da scheint weiterhin Einigkeit zu bestehen. Schuldig geblieben bin ich Ihnen bis jetzt aber noch den offenen Brief an die BILD-Zeitung, den ich am Ende angekündigt hatte, um sie ein bisschen auf die essayistische Folter zu spannen. Mittlerweile habe ich diesen offenen Brief fertig geschrieben und ich habe ihn an den Chefredakteur Herr Reichelt adressiert. Er bildet sozusagen eine Art Fortsetzung, also etwa wie das Wäscheaufhängen nach dem Waschtag. Hier ist er: Liebe Herr Reichelt, Ihre Zeitung habe ich schon gelesen. In gewissen Kreisen ist das ja durchaus als Geständnis zu werten, aber ich bin da schmerzfrei. Ich lese das, was Sie schreiben, zwar nicht jeden Tag an der Tankstelle und ich habe ihre Publikation auch nicht auf Twitter abonniert, aber ich nehme Sie und …

Einigkeit macht schwach!

Sind Sie einverstanden? Haben wir einen Konsens? Und wenn ja – warum? Ja, warum, wieso, weshalb wir einverstanden sind, möchte ich wissen. Die Frage ist nicht so trivial, wie sie klingt, glauben Sie mir. Jedenfalls habe ich mir ziemlich den Kopf darüber zerbrochen. Genauer formuliert: Ich habe mich gefragt, warum in unserer Gesellschaft in vielen Angelegenheiten ein sehr, sehr breiter Konsens herrscht, obwohl über die Angelegenheit, um die es jeweils geht, genausogut zig andere Meinungen kursieren könnten. Es gibt da so eine Sorte Massenphänomen, das zur Homogenisierung und Pasteurisierung, und damit zur Sterilisierung der Meinungsvielfalt führt. Jedenfalls war das so mein Gefühl, als ich meiner Tochter beim Schimpfen zuhörte. Das Gefühl, das ich meine, wäre ähnlich der Verwunderung, die Sie verspürten, wenn Sie in einem Wald spazieren gingen und plötzlich bemerkten, dass um Sie herum ausschließlich Buchen wachsen. Keine Eichen, keine Erlen, keine Eschen, keine Ulmen. Und schon gar keine Nadelbäume. Und Sie fragen sich: Hoppla! Wie kommt das eigentlich? Das kam mir ins Bewusstsein, als ich mit meiner 14jährigen Tochter in Amsterdam unterwegs war. Unter …