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Diesseits der Vernunft

Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass Vernetzung die Lösung ist! Fürchtet euch nicht, ihr Kleingläubigen! Wenn die alles durchdringende Digitalisierung kommt – und glaubet mir, sie ist im Kommen! – ,dann seid wertschätzend und vernetzet euch! Euch wird fortan an nichts mangeln, und wer das nicht glaubt, den jaget IN DEN SHITSTORM!

So oder so ähnlich klingelte es mir im Hirn, als ich nach Veröffentlichung meines durchaus wohlmeinenden und keineswegs mehr als nötig zugespitzten Artikels über die Hipmethode Working out loud unter einer Welle der Empörung durchtauchen musste.

Ich erkläre mich Ihnen gerne genauer, zuvor möchte ich aber noch einen Disclaimer, oder besser gesagt, einen Beipackzettel vorausschicken: Wenn Sie dies lesen und zur Working-out-loud-Fangemeinde gehören und/oder sich gar schon einmal fürchterlich über mich empört haben, weil ich es offensichtlich einfach nicht kapieren will, wie schön und gut diese Methode ist – ich will Sie gar nicht nochmal provozieren. Lesen Sie einfach kopfschüttelnd weiter und fragen Sie bei Nebenwirkungen Ihren Arzt oder Apotheker. Vielleicht fange ich Sie ein paar Absätze weiter unten ja sogar wieder ein. Glaube, Liebe, Hoffnung!

Also: Working out loud (abgekürzt: WOL) ist eine modische Managementmethode, bei der die Mitarbeiter im Konzern auf den Komplexitätsdruck der Digitalisierung mit der Vernetzung von Menschen reagieren. So weit, so gut: Da treffen sich also regelmäßig und in vorkonzipierten Circles Menschen kreuz und quer aus der Organisation und erklären sich gegenseitig, woran sie gerade arbeiten. Oder sie schreiben einen Blogartikel darüber, damit andere im Unternehmen und außerhalb davon erfahren können. Sie machen die eigene Arbeit irgendwie sichtbar und hörbar und reden dann darüber mit denen, die es interessiert. Das ist alles. Viel spannender wird es nicht.

Im Artikel schrieb ich dann sinngemäß, dass ich es nett und nur zu begrüßen finde, wenn Menschen mal zwei Stunden machen, was sie persönlich gut finden. Die Methode liefert so eine Art persönlichen Schutzraum, ähnlich wie Urlaub. Man fährt mal raus. Man macht mal einen Tauchschein. Man macht mal eine gute Erfahrung. Man lernt was. Das bereichert, manchmal beseelt es geradezu. Es ist im besten Sinne persönlichkeitsfördernd. Und daran ist ja nichts Falsches.

Nur, wenn man wieder an seinen Arbeitsplatz zurückkommt, geht natürlich alles ganz normal weiter wie zuvor. Im Kontext des Unternehmens hat sich nichts verändert. Die realen Probleme der Kunden, die zu lösen sind, warten noch immer ungelöst. Die Silos, über die hinweg man sich mal austauschen konnte, sind nach wie vor existent und mit denselben Zielsystemen und monetären Leistungsanreizen stabilisiert wie zuvor. Die zig dysfunktionalen Praktiken des Konzerns sind noch immer scharfgeschaltet und prägen das Verhalten aller maßgeblich. Business as usual ist nahezu unvermeidlich – WOL hin oder her.

Nur um es nochmal klar zu sagen: Ich habe grundsätzlich überhaupt nichts gegen solche Schutzräume. Vielleicht vertrügen wir sogar ruhig noch mehr davon. Alles, was ich sage, ist: Die Behauptung, davon würden die Ergebnisse im Unternehmen substantiell besser – die Mitarbeiter würden sich dauerhaft mehr wertgeschätzt fühlen und dadurch würden sie besser zusammenarbeiten und dadurch würden die Umsätze steigen und dadurch würde es allen besser gehen und dann würde die Welt ein kleines bisschen ein besserer Ort werden … mit Verlaub, diese Behauptung klingt für mich wie das Postulat der Jungfrauengeburt. Wie guter Glaube. Wie Religion.

Und tatsächlich: Wenn Sie an so eine auf purem Glauben basierende Managementidee nicht glauben, sondern ganz säkular wie ein aufgeklärter, kritischer Mensch im anbrechenden 21. Jahrhundert argumentierend darüber schreiben, dann gelten Sie unter den Gläubigen als Ketzer. Und Ketzer unter Gläubigen zu sein, ist eine reichlich unkomfortable Rollenkonstellation, da genügt ein Blick in die Geschichte oder in ein von religiösen Fanatikern beherrschtes Land.

Ich erntete also, sagen wir: heftigen Widerspruch. Die Leute, die daran glauben, dass Working out loud zu besserer Zusammenarbeit und bessere Zusammenarbeit zu besseren Ergebnissen führt – ist doch klar! –, warfen mir vor, keine Ahnung zu haben, schlecht zu recherchieren, so was noch nie erlebt zu haben, einfach ignorant zu sein. Sie verstanden meine sachliche Kritik als persönlichen Angriff auf sich. Und, natürlich: Die Kritik fühlte sich für sie nicht gut an. Und das Fühlen hinderte sie am Nachdenken.

Dass nun Glauben und Fühlen das Wissen und Denken ersetzt, das kam mir irgendwie bekannt vor. Ihnen vielleicht auch.

Du sollst neben mir keine anderen Götter haben! Das heißt, Sie dürfen nicht denken, dass strukturelle Veränderungen formale Macht erforderten. Sie dürfen nicht denken, dass mit irgendjemand über die eigene Arbeit zu reden automatisch Kundenprobleme löst. Denken Sie nicht! Glauben Sie! Sonst ist das Ketzerei!

Und das, was ich hier gerade mache, nämlich über Ketzerei reden, ist auch schon wieder Ketzerei … Ja, ich weiß.

Und genau darum geht es mir, nicht um WOL oder irgendeine andere hippe Methode. Es geht mir um das Muster: Sie differenzieren eine Sache, die bislang noch nicht oder nicht auf diese Art differenziert worden ist. Und anstatt entweder diesem gedanklichen Fortschritt zu folgen oder eben gute Gegenargumente aufzufahren, werden die Undifferenzierenden Ihnen so etwas wie Gotteslästerung vorwerfen und versuchen Sie zu diskreditieren.

Das schärfste sachliche Contra, das Sie erwarten dürfen, bevor Sie persönlich angegriffen werden, lautet etwa so: »Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass …!« – Und schon wurde eine Religion begründet, ohne dass alle Beteiligten es überhaupt gemerkt haben.

Ich kenne das Phänomen, wenn ich ganz ehrlich bin, gut genug, denn ich war ja selbst mal ein Gläubiger. Meine Religion hieß lange Zeit Lean Management und ich war sogar einer ihrer Prediger. Meine Bibel hieß Lean Thinking, geschrieben vom göttlichen Professoren-Duo James P. Womack & Daniel T. Jones. Ich glaubte schlicht daran. Ich unterwarf mich den Methoden und wandte sie als Berater an, weil ich zutiefst davon überzeugt war, dass sie richtig sind. Und natürlich warf ich den Kritikern vor, es nicht verstanden zu haben und keine Ahnung zu haben: »Macht das einfach mal mit dem Lean und ihr werdet schon sehen, Ihr Kleingläubigen!«

Dabei sehe ich heute, mit etwas Abstand, dass ich selbst den Kern der Idee nicht verstanden hatte, obwohl ich doch so ein ausgesprochener Lean-Experte war. Ich war aber eben nur den Artefakten der Idee aufgesessen und hatte den aufklärerischen Kern derselben gar nicht erkannt. Und deswegen blieb die Methode auch leider oft wirkungslos. Die Unternehmen, die ich beriet, konnte ich zwar zeitweise von meiner Überzeugung überzeugen, die Ergebnisse jedoch wurden deswegen nur selten wirklich besser.

Ordne ich das aber heute entsprechend ein, werde ich von den nach wie vor Gläubigen der Lean-Szene natürlich als Apostat, als Abtrünniger empfunden und wenn sie mich dafür zwar nicht steinigen wollen, so wollen sie mir in ihrer Empörung zumindest irgendetwas Unmoralisches vorwerfen.

Ganz ehrlich, ich bin zutiefst davon überzeugt, dass diese Sätze, die mit »Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass ..« beginnen, ein riesengroßes Problem sind. Weil diese Sätze antiaufklärerisch sind. Weil sie kein rationales Argument, sondern ein Gefühl anführen. Weil sie lediglich aussagen: »Das fühlt sich für mich nicht gut an!« – Und weil diese rein emotionale Ablehnung von Argumenten, Differenzierung und Kritik den Fortschritt behindert. Um mit dem exzellenten Dietrich Dörner zu sprechen: »Gute Absicht plus Dummheit« bringt beträchtlichen Schaden.

Vielleicht ist das auch in der Politik so. Aber davon verstehe ich vielleicht als bloßer Bürger der Republik zu wenig. Vielleicht ist das auch in der Management-Beratung oft so. Davon verstehe ich schon was. Hier möchte ich aber lieber über Fußball reden:

Glauben Sie nicht auch, dass immer mehr kommerzielle, ja, kapitalistische Ideen den Fußball vergewaltigen? Glauben Sie nicht auch, dass Deutschland niemals so früh hochkant aus der WM 2018 in Russland rausgeflogen wäre, wenn der DFB zuvor die mit Despot Erdogan sympathisierenden Spieler Özil und Gündogan hochkant rausgeworfen hätte? Glauben Sie nicht auch, dass Bundestrainer Löw zu sehr auf die Weltmeister von 2014 gesetzt hat und zuwenig auf junge Spieler?

Ja, das glauben Sie. Oder auch nicht. Was soll’s. Was mich daran interessiert ist eher, was dahintersteckt.

Dahinter steckt nämlich das soziale Subsystem Moral. Sie erkennen es an der Empörung – das ist das Leitsymptom. Wenn Jogi Löw sagt, er wolle die WM gewinnen, dann schwingen sich die Leute empor: Nicht im despotischen Russland! Bah! Nicht mit Türken, die Fotos mit ›ihrem‹ Präsidenten machen! Nein! Nicht mit einem Ausrüster, der Ausbeutung per Kinderarbeit betreibt! Furchtbar! Und obendrein all die nationalistischen Fahnen schwingenden Fans! Igitt! Und dann auch noch unter der FIFA, dem korruptesten Verein der Welt! Bloß nicht! Und womöglich mit einem Besuch von Angela Merkel im Trainingslager! Pfui Teufel!

Ganz klar, die einzigen die es moralisch gesehen wirklich richtig gemacht haben, sind die Niederländer und die Italiener, denn die sind konsequenterweise gleich von Anfang an zuhause geblieben.

Aber Scherz beiseite: Schauen Sie mal, was da eigentlich vor sich geht: Die Teilnahme der deutschen Fußballnationalmannschaft an der WM ist ein Projekt. Die Nationalmannschaft ist eine Organisationseinheit des DFB. Der DFB ist ein Unternehmen. Die Branche, in der dieses Unternehmen wirkt, ist das Unterhaltungsbusiness. Außerdem gibt es Regeln, die von der FIFA, die eine Art Regierung ist, vorgegeben werden. Das Ganze spielt sich im gesellschaftlichen Subsystem Sport (genauer: Fußball) ab.

Dann gibt es aber immer noch ein anderes gesellschaftliches Subsystem, namens Moral. Darin geht es darum, sich darauf zu einigen und auszuhandeln, was gut und was böse ist. Was richtig und was falsch ist. Dieses System ist so alt wie die Menschheit und ständig in Bewegung. Wir alle bedienen uns dieses Systems. Es hat aber eine unangenehme Eigenschaft: Die Moral ist ein drängelndes, sich überall einmischendes, übergriffiges, sich ständig selbst überhöhendes, sich aufblasendes Subsystem. Es ist von seiner Natur her antiaufklärerisch. Es spielt mit Gefühlen und verweigert sich der Logik.

Sich darüber zu echauffieren, wie ich es gerade tue, ist natürlich müßig und letztlich so wirkungslos wie Regentänze oder Anfeuerungsrufe von der Couch vor dem Bildschirm. Moral existiert. Punkt.

Und damit sollten wir umgehen können. Problematisch wird die Sache eigentlich immer nur dann, wenn Leute anfangen, die Subsysteme ineinanderzumischen und zu vermengen, ohne es zu bemerken. Also dann, wenn die Moral sich des Fußballs bemächtigt, um sich zu empören.

Dann passiert das, was auch passiert, wenn ich sage, dass ein Wirtschaftsunternehmen dadurch definiert ist, dass es Kundenprobleme löst und dabei mehr Geld verdient als es ausgibt: Dann schleifen manche menschliche Menschen die Moral an und werfen mir mangelnde Menschlichkeit vor und behaupten unterm Strich, dass sich diese meine Definition nicht gut anfühle. Denn: Wo bleibt denn da der Mensch! Der Mensch steht doch im Mittelpunkt!

Wo aber die Gefühle das Denken ablösen, wo die Menschen sich selbst zum Spielball der Moral machen, da spiele ich nicht mehr mit. Da steige ich aus. Da wähle ich den Pfad der Aufklärung. Denn dort alleine ist der Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit. Und ich lade Sie ein, dorthin mitzukommen. Um dort anzuknüpfen, wo wir dank Immanuel Kant seit 1784 stehen: Diesseits der Vernunft.

Oder um es mit dem zutiefst gläubigen Martin Luther King, Gott hab ihn selig, zu sagen:

— Kein Problem wird gelöst, wenn wir nur rumstehen und beten. —

Amen.

 

 

 

 

 

Übrigens wird es dem armen, gebeutelten, bei der WM als Gruppenletzter gedemütigten deutschen Fußball kein bisschen helfen, in einem quasireligiösen Akt des Menschenopfers den Bundestrainer Jogi Löw auf den Altar zu legen, also ihn rauszuwerfen oder wenigstens seinen Rücktritt zu akzeptieren.

Ich habe wohl vernommen, wie im Land die Opfermesser gewetzt wurden. Viele wollten im übertragenen Sinne das Löw’sche Blut fließen sehen, denn einer musste ja jetzt dran glauben, damit es einen Neuanfang geben kann.

Was bin ich nun aber froh, dass der ketzerische Jogi Löw diesem voraufklärerischen Ritus nicht nachgegeben hat, sondern weiter Bundestrainer bleiben will. Ich finde das so bemerkenswert vernünftig, dass ich ihm gleich mal einen Brief schreiben werde …

Weiter zu Teil II –
Brief an Jogi Löw

 


Die nächste Ausgabe von »Vollmers Waschtag« erscheint wieder im September. Wenn Sie über das Erscheinen informiert werden möchten, so melden Sie sich bitte hier unten mit Ihrer E-Mail Adresse zu der Benachrichtigungsliste an – Sie erhalten dann bei jeder Ausgabe einen kurzen Hinweis.

3 Kommentare

  1. Lieber Lars Vollmer,

    seit ich mich mit „neuen“ Organisationsformen für mein Unternehmen beschäftige, folge ich Ihren Beiträgen, habe Ihre Bücher verschlungen, lese Vollmer´s Waschtag und suche sie auf youtube.
    Um es kurz zu machen – auch ich bin zu einem „Jünger“ geworden und mag das ein oder andere religiös verklärt sehen.
    Trotzdem, oder gerade deshalb, möchte ich Ihnen gerade an dieser Stelle einmal sagen, dass mir kein Artikel so aus der Seele spricht wie dieser.
    Die Art und Weise wie die selbsternannten Superstars der Newwork Community einzelne Methoden wie gerade WOL als das einzig seelig machende hochjubeln und jegliche Kritik im Ansatz abbügeln ist einfach nur noch lächerlich.
    Obowohl ich mich erst 9 Monate mit dem Thema beschäftige, wir erst seit einem halben Jahr im Unternehmen aktiv an dem Thema arbeiten, glaube ich, eins verstanden zu haben. Es gibt eben NICHT das alleine seelig machende Rezept für alle Unternehmen, nicht die einzig richtige Methode (dann wärs ja kompliziert und nicht komplex), nichts ist richtig, nur weil man es schon immer gemacht hat , also auch nicht WOL.
    Das WOL von heute ist vielleicht schon die Pyramide von morgen.
    Bleiben Sie bitte kritisch und ecken Sie an, ich glaube, Ihre Folger schätzen gerade das an
    Ihnen.

    Danke für die vielen wertvollen Inspirationen und Anregungen

    Nico Korte

  2. Toller Artikel! Ich hab aber ein paar Anmerkungen:

    a) Ich finde es problematisch, dass Du Du Vernunft als „Gegenmodell“ für Moral anführst und dann auch noch Kant als Beleg angibst. Gerade Kant hat aufgezeigt, dass Moral etwas zutiefst Vernünftiges ist (also known as „Kategorischer Imperativ“.) In dieser Hinsicht ist Deine Argumentation schlichtweg falsch. Richtiger wäre es gewesen, über Ethik zu sprechen statt über Moral. (Mag man aber auch als philosophische Spitzfindigkeit auslegen. Ich wollte es jedoch nur anmerken. Wenn man schon Kant und die Aufklärung anführt, dann wenigstens korrekt.)

    b) Gut, dass Du erkannt hast, gefangener in einem Glaubenssystem gewesen zu sein (Lean Management). Noch besser wäre es gewesen, zu erkennen, dass Dein aktueller/jetziger Standpunkt ebenfalls auf einem Glaubenssystem gründet. (So wie es stets unvermeidlich für uns alle der Fall ist.) Daten und Fakten sind (meist) unstrittig – die Interpretation basiert auf unseren Glaubens- und Denksystemen, die wir auf sie anwenden. Je nachdem, welches Gedankenmodell/-system wir darüberlegen, kommen wir zu anderen Schlussfolgerungen.

    Insofern hast Du das mit dem Beispiel der Fußball-WM sehr gut erkannt, aber für Dich selbst und Deinen eigenen Standpunkt nicht zu Ende gedacht: Auch Deine Sichtweise ist eine Interpretation aus Deinem Denksystem heraus, das auf Glaubenssätzen beruht.

    c) Dein Glaubenssatz, der dahinter steckt, lautet: „[Ein] Wirtschaftsunternehmen [ist] dadurch definiert ist, dass es Kundenprobleme löst und dabei mehr Geld verdient als es ausgibt“ Von da aus werden Deine Schlussfolgerungen abgeleitet. Kann man machen. Und ist in Deinem Denksystem auch konsequent (und logisch). Deswegen fühlt es sich auch für Dich so bestechend logisch an. Denn Dein gesamtes Gedankengebäude ist logisch konsequent darauf aufgebaut. Wenn man böswillig wäre, könnte man auch sagen „drumherum gestrickt“. Aber so weit möchte ich nicht gehen. Trotzdem bleibt dieser Satz ein Axiom, das man akzeptieren kann oder nicht.

    Hausaufgaben für’s Wochenede:

    Transferübung 1)
    Stelle bitte Deinem Satz das von Dir so gescholtene „Ich bin überzeugt davon, dass …“ voran:

    „Ich bin überzeugt davon, dass [ein] Wirtschaftsunternehmen [ist] dadurch definiert ist, dass es Kundenprobleme löst und dabei mehr Geld verdient als es ausgibt.“

    1a) Überlege, wie dieser Satz grundlegend für Dein Denken ist.
    1b) Welche Grundsätze wären noch denkbar und welche Schlussfolgerungen ergäben sich dann?
    1c) Welche anderen Grundsätze für Gedankenmodelle zu diesem Thema kennst Du noch? Was daran ist falsch und was richtig? Was ist an Deinem Grundsatz richtig und was ist falsch?

    Transfernübung 2)
    Besuche die Gedankenwelt eines Menschen mit einem anderen Glaubens-/Denksystem (anderen Axiomen) und bewege Dich in diese Gedankenwelt hinein. Finde heraus, wie ihre Axiome funktionieren und vollziehe die logischen Schritte darin nach, die sich daraus ableiten lassen. (Du wirst sehen, auch diese Systeme sind in sich selbst absolut logisch!)

    Transferübung 3)
    Erst dann lade Dein Gegenüber zu einem Perspektivwechsel/Gegenbesuch ein, ohne den Anspruch zu haben, dass Dein Gedankenmodell dass einzig richtige sei.

    Liebe Grüße!

  3. Karl Leinstein sagt

    Lieber Lars,
    dieser Waschtag ist wiedereinmal eine sehr kluge Zusammenfassung von ganz richtigen Beobachtungen. Du hast meine volle Zustimmung. Es würde uns im Alltag und im Berufsleben generell gut tun, gewisse Gegebenheiten genauer zu beobachten und dann zu differenzieren. Eventuell könnte das zu mehr Unaufgeregtheit führen und uns andere Sichtweisen eröffnen, die einen Diskurs auf sachlicher Ebene einleiten. Seit ich WOL beobachte habe ich auch mehr und mehr den Eindruck gewonnen, dass es sich um so etwas ähnliches wie eine „Sekte“ handelt. Ich finde es auch gut das Yogi Löw nicht zurückgetreten ist.
    Freue mich schon auf den nächsten „Waschtag“- weiter so !
    Viele Grüsse, Karl

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